Pro­blem

Es wird lang­sam zur Re­gel, dass Schü­ler Haus­auf­ga­ben oh­ne An­schrei­ben oder oh­ne An­re­de oder oh­ne Be­treff oder oh­ne al­les per E-Mail ein­rei­chen. So et­was är­gert Emp­fän­ger, mich auch.

Für Schü­ler sind sol­che Feh­ler zwar meis­tens noch kosten­los, aber spä­ter kön­nen sie sehr teuer wer­den: ab­ge­lehn­te Be­wer­bun­gen, ver­är­ger­te Kun­den, schlech­te Ar­beits­zeug­nis­se ...

Als Ver­such, mei­ne Schü­ler da­vor zu be­wah­ren, ha­be ich die­se Vor­schlä­ge zur E-Mail-Eti­ket­te ge­schrie­ben. Auf An­re­gung ei­nes Schü­lers ha­be ich die Zu­sam­men­fas­sung nach vor­ne ge­zo­gen, denn wer will schon so viel Text le­sen.
Ein Nach­trag nach PISA 2001: Wer kann schon noch..

Für die, die noch le­sen wol­len, folgt die Be­grün­dung nach der Zu­sam­men­fas­sung.

Bei­spiel 1

Das fol­gen­de E-Mail er­hielt ich von ei­nem TG-Schü­ler (m/w), nach­dem ich ihn 2x auf die­se Sei­te hin­ge­wie­sen hat­te.

Email ohne Anrede

Es wird wohl ein har­tes Stück Ar­beit für uns bei­de, da­mit in sei­nem Ar­beits­zeug­nis nicht ste­hen wird: "..­hat sich schon Mü­he ge­ge­ben".

Bei­spiel 2

2 Ta­ge spä­ter kam es noch kras­ser: Die­ser Schü­ler (m/w) hat­te sei­nen Na­men nicht ein­mal im E-Mail-Ab­sen­der geou­tet.

Email ohne Anrede

"Ler­nen aus Feh­lern"? Aus­re­de statt Ein­sicht!
 

Zu­sam­men­fas­sung

  • Hö­flich­keits­flo­skeln sind al­te Ka­mel­len. Las­sen Sie An­re­den ein­fach weg, das spart Zeit und der Emp­fän­ger sieht gleich, was er Ih­nen wert ist.
    Al­ter­na­tiv kön­nen Sie mit Krea­tio­nen wie "Hi" ju­gend­li­che Dy­na­mik be­wei­sen. In Be­wer­bungs­schrei­ben hat es den Vor­teil, dass ver­kalk­te Per­so­nal­chefs ab hier nicht mehr wei­ter­le­sen. So kom­men Sie gar nicht in die Ver­le­gen­heit, mit sol­chen Leu­ten zu­sam­men ar­bei­ten zu müs­sen.
     
  • Schrei­ben Sie den Text ei­nes E-Mails ein­fach drauf los. Über­le­gen, struk­tu­rie­ren oder gar noch­mals le­sen ist doch nur müh­se­lig.
    Soll sich doch der Emp­fän­ger die Zeit neh­men, Ihr Gestam­mel zu ver­ste­hen. So be­greift er we­nigstens, was in Ih­rem Kopf vor­geht.
     
  • Text mit kor­rek­ter Schreib­wei­se kann man zwar schnel­ler le­sen, aber ...
    Al­so spa­ren Sie sich den Griff zum Du­den oder den Du­den selbst. Was sich der Emp­fän­ger wohl spa­ren wird?
     
  • Schi­cken Sie je­des E-Mail mehr­mals, und las­sen Sie den Emp­fän­ger im­mer im Un­kla­ren, ob es sich um ei­ne Erin­ne­rung, ei­ne Än­de­rung, ei­nen Nach­trag oder ein Ver­se­hen han­delt. Las­sen Sie den Emp­fän­ger da­nach su­chen, dann lernt er Ih­re Vor­la­ge viel bes­ser ken­nen und ge­winnt auch noch ei­nen Ein­druck über Ih­re per­sön­li­che Ef­fi­zienz.
     
  • Ei­nen aus­sa­ge­kräf­ti­gen Be­treff kön­nen Sie sich ru­hig schen­ken, der Emp­fän­ger hat ja nur auf Ihr E-Mail ge­war­tet.
    Es gibt zwar Emp­fän­ger, die so miss­trauisch sind, dass sie ver­däch­ti­ge E-Mails un­ge­le­sen lö­schen, weil ein Vi­rus teu­rer ist als ein ver­passtes E-Mail - aber kann man so viel Ver­nunft wir­klich trauen?
     
  • Die E-Mail-Adres­se ma­ma17@.. ist zwar schon ele­gan­ter als der ge­wöhn­li­che Ab­sen­der max.­maier@.., aber Ih­ren wah­ren Cha­rak­ter ver­rät doch erst mad­max@..
     
  • Wenn Sie An­hän­ge ver­sen­den, soll­ten Sie im­mer die al­ler­neuesten For­ma­te ver­wen­den, sonst er­fah­ren Ih­re Part­ner ja nie, dass Worst3000 noch schwär­zer druckt.
     
  • Wol­len Sie, dass Ihr Emp­fän­ger sich noch ein­mal mit Ih­nen be­schäf­tigt? Kein Pro­blem! Sor­gen Sie nur da­für, dass Ihr Post­fach über­füllt ist, und der Emp­fän­ger wird sei­ne An­twort wie­der emp­fan­gen. Wohl emp­fang's!

Im Ernst

Be­wer­ten Sie al­le E-Mails (und al­le an­de­re Ar­bei­ten, die Sie ab­lie­fern) un­ter dem Ge­sicht­spunkt des Emp­fän­gers. Ge­hen Sie da­von aus, dass der Emp­fän­ger an die­sem Vor­mit­tag noch wei­te­re 100 E-Mails beant­wor­ten muss und nicht auf Sie ge­war­tet hat. Und ver­ges­sen Sie nicht, dass der Emp­fän­ger Ih­res E-Mails auch Ein­fluss auf Ihr Ge­halt ha­ben kann.

Wenn Sie aber be­schlie­ßen, dass die­se gan­ze Sei­te Quatsch ist, so tun Sie dies na­tür­lich ak­tiv, d.h. Sie ho­len wei­te­re In­for­ma­tio­nen ein und wä­gen sie gründ­lich ge­ge­nei­nan­der ab. Nie wür­den Sie ei­ne sol­che wich­ti­ge Ent­schei­dung aus dem hoh­len Bauch her­aus oder gar in Ah­nungs­lo­sig­keit tref­fen.

In­halt

Gel­tungs­be­reich

Im mo­der­nen Qua­li­täts­ma­na­ge­ment gilt der An­satz: Un­ter Kon­kur­renz­be­din­gun­gen muss man sei­ne Kun­den zu­frie­den stel­len, wenn man dauer­haft an ih­nen ver­die­nen will. Des­halb soll­ten al­le Fir­men und An­gestell­te, die kei­ne Mo­no­polstel­lung ha­ben und trotz­dem Geld ver­die­nen wol­len, Qua­li­tät bie­ten (=ih­re Kun­den zu­frie­den stel­len).
Der An­satz gilt auch für Schü­ler, die gu­te No­ten ha­ben wol­len.
Der An­satz gilt nicht für Leh­rer an öf­fent­li­chen Pflicht­schu­len, weil es dort kei­ne Kon­kur­renz gibt;-). Der An­satz gilt auch für Sie nicht, wenn Sie kein Geld (oder No­ten..) ver­die­nen möch­ten, Ihr Geld mit "ein­ma­li­gem Ab­zo­cken" oder als "ein­sa­mer Gold­grä­ber" ver­die­nen oder der ein­zig ver­füg­ba­re Fach­mann für Ihr Me­tier sind.

Im Fol­gen­den ge­he ich da­von aus, dass der Emp­fän­ger Ih­res E-Mails ein ge­schäft­li­cher Kun­de oder Vor­ge­setz­ter ist, von dem Ihr Bro­ter­werb un­mit­tel­bar oder lang­fristig ab­hängt.

Um den Qua­li­tät­san­satz nut­zen zu kön­nen, müs­sen Sie noch klä­ren, wer der Kun­de ist und was der Kun­de will.

Grund­la­gen

Ge­schäft­li­che Emp­fän­ger von Brie­fen oder E-Mail ha­ben 3 Er­war­tun­gen:

  • Ein­hal­tung von Hö­flich­keits­for­men / un­ge­schrie­be­ner Re­geln
  • In­for­ma­tion
  • Mög­lichst we­nig Zeit­ver­lust

un­ge­schrie­be­ne Re­geln / Hö­flich­keits­for­men

Mit­te­leu­ro­päer be­lä­cheln ja­pa­ni­sche Ver­beu­gungs­ri­ten, bei de­nen die Tie­fe der Ver­beu­gung Aus­kunft über die so­zia­le Rangstel­lung gibt. Die glei­chen Mit­te­leu­ro­päer ha­ben noch nicht be­merkt, dass Art und Lautstär­ke des Gru­ßes in Mit­te­leu­ro­pa das­sel­be ver­ra­ten kön­nen. Auch un­se­re Ge­sell­schaft ist von ei­nem Netz­werk un­ge­schrie­be­ner Re­geln durch­zo­gen und Ja­pa­ner hät­ten mehr Recht über uns zu lä­cheln, weil sie sich ih­rer Re­geln we­nigstens be­wusst sind.

Ver­stö­ße ge­gen un­ge­schrie­be­ne Re­geln kön­nen in al­len Ge­sell­schaf­ten zu Nach­tei­len füh­ren. Man­geln­de Kennt­nis der Re­geln ist das größ­te Man­ko ei­nes Be­ruf­san­fän­gers (des­halb wird man mit we­ni­gen Jah­ren Be­ruf­ser­fah­rung viel bes­ser be­zahlt - manch­mal) und ein gro­ßes Pro­blem bei Aus­land­sein­sät­zen. Oder wis­sen Sie, dass man das freund­li­che Lä­cheln ei­ner flüch­ti­gen Be­geg­nung in Nor­da­me­ri­ka ganz an­ders wer­ten muss als in Mit­te­leu­ro­pa?

Lei­der ha­ben ge­ra­de wir An­ge­hö­ri­ge tech­ni­scher Be­ru­fe die größ­ten Pro­ble­me mit un­ge­schrie­be­nen Re­geln, da wir die Be­deu­tung der rei­nen In­for­ma­tion über­schät­zen. Aber die Wir­klich­keit ist kei­ne tech­ni­sche Zeich­nung, in Brie­fen und E-Mails und gar im per­sön­li­chen Kon­takt ver­liert das "Was" deut­lich an Ge­wicht ge­gen­über dem "Wie".

Un­er­fah­re­ne Men­schen rea­gie­ren auf das An­sin­nen, un­ge­schrie­be­ne Re­geln zu ler­nen und zu beach­ten, oft wie folgt:

  • Das kann doch nicht wahr sein
    Beo­bach­ten Sie Ih­re Um­ge­bung: Man kann ge­sell­schaft­li­che Kon­ven­tio­nen über­all er­ken­nen. Auch in Ju­gend­grup­pen, die sich vor al­lem in der Ab­leh­nung des "­Sys­tems" ei­nig sind, her­rscht Klei­de­rord­nung, und das Ver­hal­ten ih­res Häupt­lings un­ter­schei­det sich ganz ty­pisch von dem ei­nes In­dia­ners.
  • Das ist ja Stein­zeit
    Da­mit ha­ben Sie so­gar recht, aber be­den­ken Sie, wie viel un­se­res Ver­hal­tens stein­zeit­lich ge­prägt ist. In Restau­rants sit­zen wir be­vor­zugt mit dem Rü­cken zur Wand, weil uns dann nie­mand in den Rü­cken fal­len kann. Beim Es­sen hebt je­der Mensch kurz den Blick, be­vor er die Ga­bel in den Mund schiebt, und sucht wie die Hüh­ner den Him­mel nach Luft­fein­den ab. Bei Prä­sen­ta­tio­nen wer­den viele Men­schen zap­pe­lig und lei­den un­ter ein­ge­schränk­tem Denk­ver­mö­gen, weil das Ge­hirn wie in der Stein­zeit das Stress­hor­mon Adre­na­lin aus­stößt, um die Chan­cen im Kampf ge­gen Sä­bel­zahn­ti­ger zu ver­bes­sern. Und wer je im Kampf der Ge­schlech­ter mit­ge­foch­ten hat, müsste eher über Ver­nunft als über Stein­zeit über­rascht sein.
  • Für mich gilt das nicht
    Al­lein die Tat­sa­che, dass al­le Ge­sell­schaf­ten un­ge­schrie­be­ne Re­geln für den Um­gang mit­ei­nan­der ha­ben, deu­tet da­rauf hin, dass die­se Ein­rich­tung mög­li­cher­wei­se nütz­lich, auf je­den Fall aber wi­derstands­fä­hig ge­gen An­grif­fe von ju­gend­li­chen Welt­ver­bes­se­rern ist.
    Be­vor Sie be­schlie­ßen, die Re­geln zu miss­ach­ten, soll­ten Sie be­rück­sich­ti­gen, dass sie auch als Her­rschaft­sinstru­ment die­nen kön­nen. Wer mor­gens die Kra­wat­te zu Hau­se lässt, auf dem Stell­platz des Chefs parkt und al­le Kol­le­gen mit "Hal­li Hal­lo, Ihr Sü­ßen" be­grüßt, ist in den meis­ten ge­schäft­li­chen Um­ge­bun­gen eher out als Trend­set­ter für neue Um­gangs­for­men.
    Die erste (un­ge­schrie­be­ne) Re­gel für Be­ruf­san­fän­ger lau­tet übri­gens, dass sie schlech­ter be­zahlt wer­den als Be­wer­ber mit 2 Jah­ren Be­ruf­ser­fah­rung. Das liegt fast aus­schließ­lich da­ran, dass sie die un­ge­schrie­be­ne Re­geln erst ler­nen müs­sen. Ver­su­chen Sie, die­se Re­gel nicht zu beach­ten, ich wün­sche Ih­nen viel Er­folg, aber Sie wer­den schon se­hen, "­wie der La­den läuft": -)
    Auch Ihr wei­te­rer Auf­stieg ist mit vol­len­de­ten Um­gangs­for­men und we­nig Fach­wis­sen leich­ter denk­bar als um­ge­kehrt.

In Fäl­len, in de­nen Men­schen ver­meint­lich un­ge­recht nicht be­för­dert oder gar ge­mobbt wer­den, liegt ei­ne häu­fi­ge Ur­sa­che m.E. da­rin, dass sie selbst beste­hen­de Kon­ven­tio­nen nicht beach­ten. So ge­se­hen sind die­se Men­schen selbst schuld - je­den­falls so­fern die Er­fül­lung der Kon­ven­tion in ih­rer Macht steht, was oft nicht mög­lich ist (Aus­se­hen, Al­ter, Ge­schlecht, Her­kunft..). Aber hier geht es um E-Mails, und die­se kann man in al­len wich­ti­gen Tei­len selbst gestal­ten.

Zu­sätz­lich er­schwert wird die Sa­che mit den ge­sell­schaft­li­chen Re­geln, weil sie sich in al­len Grup­pen mehr oder min­der un­ter­schei­den. Im Hand­werks­be­trieb her­rschen an­de­re Re­geln als in der Füh­rung­se­ta­ge ei­nes Groß­kon­zerns, in En­gland an­de­re als in Fran­kreich. Im­mer­hin sind ei­ni­ge ober­fläch­li­che Re­geln in der Ge­schäfts­welt nor­miert, z.B. Klei­dung und der Auf­bau ei­nes Brie­fes, und da­mit bin ich wie­der bei E-Mails.

Aus­wir­kun­gen auf E-Mails

Ei­ne Re­gel für deut­sche Ge­schäfts­brie­fe (auf Pa­pier) lau­tet, dass man ei­nen Ge­schäfts­brief mit "Sehr geehr­te/r...." be­ginnt.

  • Nun kann man ar­gu­men­tie­ren, dass al­le Welt E-Mails mit "Hal­lo..." be­ginnt.
    Dies ist rich­tig (je­den­falls für den Teil der Welt, den wir mo­men­tan - 12/2001 - se­hen kön­nen) und un­ter Um­stän­den wird sich die­se Form so­gar durch­set­zen, aber si­cher ist es nicht. Nach­trag von 01/2005: Mit­tler­wei­le nahm sich auch Hei­ko Mell (sie­hen un­ten) des The­mas an und lehnt "Hal­lo" ab. Im Ge­schäfts­ver­kehr wird es bis auf Wei­te­res al­so bei "Sehr geehr­te.." blei­ben.
  • Man hat auch schon E-Mails oh­ne An­re­de er­hal­ten
    Ge­schäft­li­che Ent­schei­dungsträ­ger sind auch des­halb Ent­schei­dungsträ­ger ge­wor­den, weil sie ge­sell­schaft­li­che Kon­ven­tio­nen ken­nen und beach­ten. Für sie ist der Sprung zum völ­li­gen We­glas­sen der An­re­de sehr groß, und ich hal­te es des­halb für höchst un­wahr­schein­lich, dass sich die­se Form eta­bliert. Auch Men­schen, die die An­re­de­flo­skel nie wahr­ge­nom­men ha­ben, fällt de­ren Feh­len so­fort auf, und sie neh­men das eher per­sön­lich als prag­ma­tisch (Bin ich dem nicht mal 4 Wor­te wert..). Ach­ten Sie bes­ser da­rauf, dass dies kein Chef oder Kun­de über Sie denkt.
  • Was soll man tun, wenn man nicht weiß, wel­chen Stil der Emp­fän­ger be­vor­zugt?
    Ei­gent­lich kei­ne Fra­ge für ei­nen Tech­nik­er, denn un­ge­naue Grö­ßen sind sein tä­gli­ches Brot. Lö­sen Sie es wie in der Fes­tig­keits­leh­re, und wäh­len Sie die An­twort für den schlech­testen Fall (worst ca­se).
    Das ist wie beim Be­wer­bungs­ge­spräch, zu dem Sie in An­zug und Kra­wat­te er­schei­nen, so lan­ge sich in der Ge­schäfts­welt kei­ne Ha­waii­hem­den duch­ge­setzt ha­ben (Stand 2001). Ja­cket und Kra­wat­te kann man im "schlimmsten Fall" übri­gens rasch aus­zie­hen.
    Ge­nau­so gilt: Ein "Sehr geehr­te/r.." hat noch kei­nem ge­scha­det.
    Wenn ei­ner Ih­rer Kun­den be­son­de­re Vor­lie­ben äu­ßert, soll­ten Sie die­sen Kun­den na­tür­lich zu­frie­den stel­len. Den­ken Sie aber selbst nach, be­vor Sie des­sen per­sön­li­che Vor­lie­ben auf al­le an­de­ren Kun­den über­tra­gen.

In­for­ma­tion

Man braucht nicht zu be­grün­den, wa­rum der In­halt ei­nes E-Mails wich­tig ist.
Aber es reicht nicht, den In­halt ein­fach nur los­zu­wer­den, son­dern der Emp­fän­ger muss den In­halt auch ver­ste­hen kön­nen, und zwar so, wie er ge­meint war. Das ist wie in ei­ner Klas­sen­ar­beit: Punk­te gibt es nur für den (Un-)Sinn, der da steht, und nicht für den Sinn, den Sie ge­meint ha­ben.
Man soll­te des­halb sei­ne Schrei­ben auch ein­mal aus der Sicht des Emp­fän­gers le­sen (und vor­her den Deutsch-Un­ter­richt ernst neh­men).

In E-Mails sind viele for­ma­le In­for­ma­tio­nen (Ab­sen­der, Adres­sat, Ab­sen­de- und Emp­fangs­da­tum usw.) au­to­ma­ti­siert. Glau­ben Sie aber nicht, dass al­le for­ma­len In­for­ma­tio­nen au­to­ma­ti­siert sind, es feh­len zum Bei­spiel die An­re­de. Die­se müs­sen Sie im Text­feld un­ter­brin­gen, ge­nau wie Ih­re Kon­to- und Te­le­fon­num­mer.

Zei­ter­spar­nis

Auch die Be­deu­tung der Zei­ter­spar­nis für den Emp­fän­ger leuch­tet je­dem ein. Für deut­sche ge­schäft­li­che Brie­fe ist so­gar die An­ord­nung von Ab­sen­der, Adres­sat, Da­tum, Be­treff usw. nach DIN 5008 fest­ge­legt, da­mit die Emp­fän­ger wich­ti­ge In­hal­te schnel­ler fin­den kön­nen (Die­se Norm gilt seit 2005 auch für E-Mails). Da­durch kann ein Se­kre­tär die Brie­fe schnell nach Ab­sen­der oder Be­treff sor­tie­ren, wäh­rend die Che­fin nur Ab­sen­der und In­halt liest. Es ist al­so gar nicht nö­tig, die An­re­de­for­mel für­sor­glich weg­zu­las­sen, denn der Emp­fän­ger kann sie leicht über­sprin­gen, wenn er es für nö­tig hält. Dies gilt auch in E-Mails.

Lei­der muss man trotz Nor­mung wei­ter­hin selbst nach­den­ken, denn es gibt im­mer noch viele Mög­lich­kei­ten, die Zeit des Emp­fän­gers zu ver­geu­den, und sich selbst Mi­nus-Punk­te ein­zu­fan­gen. Beach­ten Sie des­halb die Zu­sam­men­fas­sung, die ganz am An­fang steht.

Bestä­ti­gung

Bestä­ti­gung 1

Du­den Band 1, 24. Auf­la­ge vom April 2006, Du­den­ver­lag Mann­heim usw.

Gestal­tung von ge­schäft­li­chen E-Mails
Grund­sätz­lich gel­ten für ge­schäft­li­che E-Mails die glei­chen Hö­flich­keits- und Sti­lan­ga­ben wie für Ge­schäfts­brie­fe. So darf in ei­ner ge­schäft­li­chen E-Mail die An­re­de nicht feh­len, ... auf das flap­si­ge "MfG" als Gruß­for­mel ist in ge­schäft­li­chen E-Mails zu ver­zich­ten.

Bestä­ti­gung 2

Hei­ko Mell (in den VDI nach­rich­ten vom 21.02.2003, Fra­ge 148):

Ich möch­te doch bit­te, for­der­te der GF-Vor­sit­zen­de.., den Ma­na­ge­ment-Be­wer­bern, die ich ihm schi­cke, ein­drin­glich et­was na­he brin­gen: Sie soll­ten ihn im Vor­stel­lungs­ge­spräch ge­fäl­ligst nicht mit "Hal­lo, Herr Dr. Mül­ler" an­re­den...
Im wei­te­ren Ver­lauf des Te­le­fon­ge­sprä­ches über­leg­te er es sich dann aber noch ein­mal: "Las­sen Sie die Leu­te ru­hig - dann se­he ich so­fort, wer hier in mei­ne engste Um­ge­bung passt und wer nicht."..

Was ler­nen wir da­raus?
Erstens, dass es für Ab­leh­nun­gen nach Vor­stel­lungs­ge­sprä­chen stets auch Grün­de ge­ben kann, die nicht im fach­li­chen Be­reich lie­gen..
Und zwei­tens, dass man im Ge­spräch mit rang­hö­he­ren Ge­spräch­spart­nern, von de­nen man et­was will(! ), gut da­ran tut, die ge­sell­schaft­lich übli­chen und im Zwei­fel eher die et­was kon­ser­va­ti­ver ge­präg­ten For­men zu pfle­gen.

Bestä­ti­gung 3

Hei­ko Mell 2093. Fra­ge : Ich bin Ab­tei­lungs­lei­ter.. ei­nes Un­ter­neh­mens.. mit.. 40000 Mit­ar­bei­tern. Es ist wie­der so weit: Wir ha­ben ei­ne An­zei­ge­nak­tion gestar­tet und ich muss wie­der ein­mal die schriftstel­le­ri­schen Glanz­leistun­gen der di­ver­sen Kan­di­da­ten durch­ar­bei­ten.

Hat ei­gent­lich je­mand Mit­leid mit den Ab­tei­lungs- und Per­so­nal­lei­tern? Leu­te wie Sie, Herr Mell, kön­nen für die­se Tä­tig­keit ja we­nigstens Schmer­zens­geld in Ho­no­rar­form ein­for­dern.

Im Hin­blick auf die übli­chen Ver­druss be­rei­ten­den De­tails (3-tei­li­ge Be­wer­bungs­map­pen, "Was Sie sonst noch von mir wis­sen soll­ten"-Blät­ter, Le­bens­läu­fe mal vor­wärts, mal rück­wärts) ha­be ich re­sig­niert.

Jetzt kommt ei­ne neue Wel­le des Ver­drus­ses, die elek­tro­ni­sche Be­wer­bung per E-Mail. Wie ist ei­gent­lich die Halb­werts­zeit des Ge­dächt­nis­ses von Be­wer­bern? Ka­piert kei­ner, dass hier­bei die glei­che Sorg­falt an­ge­wen­det wer­den soll­te wie bei der Pa­pier­ver­sion?

a) Die ei­ne Be­wer­bung kommt ver­nünf­tig da­her: Was man als An­schrei­ben er­war­tet, ist in der E-Mail ent­hal­ten, die An­la­gen sind in ei­ner (! ) Da­tei, vor­zugs­wei­se als PDF, al­les the­ma­tisch und ch­ro­no­lo­gisch in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge. Da kann ich dann lustig drin hin- und her­blät­tern, wie ich es von der Pa­pier­va­rian­te her ge­wöhnt bin. Au­ßer­dem se­he ich, dass die­se Stel­le­naus­schrei­bung zu­sam­men­ge­stellt wur­de. Mit an­de­ren Wor­ten: Da hat sich je­mand Mü­he ge­ge­ben.

b) Der nächste schreibt dann: "Hier­mit er­hal­ten Sie mei­ne Be­wer­bung, das An­schrei­ben fin­den Sie in der Da­tei xyz08/15. Ich su­che dann in über zwan­zig An­hän­gen. Könn­te Lblf­fot even­tuell der Le­bens­lauf mit Fo­to sein? Tref­fer, ich be­wer­be mich viel­leicht doch mal bei Gün­ter Jauch. Zeu­ge#45/8 wird wohl ein Zeug­nis sein, aber wel­ches? In­halts­ver­zeich­nis = Fehl­an­zei­ge. Erster Frust kommt hoch. Wie wür­de bei die­sem Be­wer­ber wohl die Or­ga­ni­sa­tion sei­ner Ar­beits­un­ter­la­gen aus­se­hen?

Zu­ge­ge­ben, das war jetzt ein we­nig über­trie­ben (aber wir­klich nur ein we­nig). Wenn ich Ra­te­spie­le ma­chen will, ma­che ich das in mei­ner Frei­zeit.. Beim Durch­le­sen von Be­wer­bungs­un­ter­la­gen brau­che ich das nicht. Kön­nen Sie viel­leicht da­rauf hin­wei­sen, dass doch bit­te für elek­tro­ni­sche Be­wer­bun­gen die glei­che Sorg­falt auf­ge­wen­det wird wie für Pa­pie­raus­füh­run­gen? ..

Oder bin ich zu an­spruchs­voll?

An­twort: Ganz si­cher nicht..

Ich muss im­mer wie­der an das Grund­prin­zip ei­ner Be­wer­bung erin­nern: Sie müs­sen da­mit den Emp­fän­ger über­zeu­gen. Der hin­ge­gen muss nicht - wie ein Ge­richt - Mü­hen und Sorg­falt auf­wen­den, um letzt­lich über Ih­re Qua­li­fi­ka­tion ent­schei­den zu kön­nen. Im Ge­gen­teil: der darf auch emo­tio­nal aus dem Bauch her­aus die Na­se voll ha­ben von Ih­nen..

Die "Kar­rie­re­be­ra­tung" von Hei­ko Mell er­scheint wö­chent­lich in den VDI nach­rich­ten . Es han­delt sich um Fall­bei­spie­le ei­nes pro­fes­sio­nel­len Per­so­nal­be­ra­ters, die drastisch die Spiel­re­geln im Be­rufs­le­ben schil­dern.
Die Kar­rie­re­be­ra­tung soll­te Pflicht­lek­tü­re für al­le Schü­ler sein.
Wenn Sie Hei­ko Mells Auf­fas­sun­gen be­her­zi­gen und mei­nen gan­zen Un­ter­richt ver­schla­fen, ha­ben Sie we­sent­lich bes­se­re Kar­rie­re­chan­cen als im um­ge­kehr­ten Fall.
Sie wol­len kei­ne Kar­rie­re ma­chen? Dann le­sen Sie die Kar­rie­re­be­ra­tung als vor­beu­gen­den Ar­beit­splatz­schutz!